Bono in einer Mega Church

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Ja, der Eintrag war eigentlich deutlich früher fällig, aber ich habe halt einfach länger gebraucht. So ist das nun mal hier. Alles braucht seine Zeit im Land des FastFoods. Und so brauchen auch manche Einträge Ihre Zeit. Vor einiger Zeit waren wir auf Tour zu einem Ereignis der ganz eigenen amerikanischen Prägung: Mega Churches. In Deutschlad denkt man wohl bei diesem Begriff an Flughafenähnliche Riesenhallen in denen Millionen von Christen anonym abgespeist werden und am Ausgang für George W. Bush wählen müssen. Abendmahl am Fliessband von Roboterhand gespeist. Oder so ähnlich.
Wir ließen uns jedenfalls nicht verschrecken und begaben uns erwartungsvoll zur Willow Creek Community Church nach South Barrington um uns einen derartigen Gottesdienst anzusehen. In Deutschlands christlicher Szene begeistert adaptiert, gesamtkirchlich ein Reisenphänomen: Willow Creek Community Church und ihr Pastor Bill Hybels. Mittlerweile haben er und seine vier Gemeinden in und um Chicago ein Netzwerk von Kirchen weltweit aufgebaut zu dem 12.000 Gemeinden gehören. Allein in den Hauptcampus «South Barrington» strömen jeweils ca. 7.000 Besucher pro Sonntag. Glücklicherweise lernten wir bei unserem neugierigen Kirchenhopping in Chicago Sandy kennen (auch deutschstämmig wie so viele hier), die uns dann auch gleich einen Ritt zur Mega Church anbot, inklusive IKEA-Shopping im Anschluss.
Wir bekamen eine kleine Führung über den «Campus»: hippe Ecke für junge Leute mit DJ und eigener Arena, großer Buchladen, Rolltreppen führen zu den oberen Rängen. Fotografieren ist nicht erlaubt, wegen der Copyrights. Der Campus umfasst auch einen riesen See, in dem getauft wird im Sommer. Der Gottesdienst begann mit Platzanweisern, die einem Plätze empfehlen. Dann ging es los. Videoclip zum Anfang über das Thema, erschreckend professionell und ansprechend! Dann Musik zum zuhören, statt mitsingen. Anschließend tritt Herr Hybels in Erscheinung und kündigt sein Videointerview mit Bono, dem Sänger von U2 an über dessen Aktion ONE und wie Kirchen heute dabei helfen könnten Armut und AIDS zu besiegen. Bewegend und gut, der Mann weiß wovon er spricht, lässt auch nicht einfangen oder instrumentalisieren, bleibt kantig. Gefällt mir sehr gut. Anschließend noch Zusammenfassung inzwischen wieder live und Abschluss durch seine Frau. Alles in allem: War das ein Gottesdienst?? Die Mitglieder haben wohl am Mittwochabend noch einen eigenen Gottesdienst, der persönlicher ist und etwas tiefer geht. Hoffentlich bleiben da nicht die «Zuschauer» kaugummikauend staunend sitzen, sondern nehmen daran teil. Ich war Anfangs echt geschockt, aber am Ende dachte ich: das ist genau die Sprache, die Menschen hier anspricht und in diese Art von Kirche lockt. Sogar 7.000 davon heute morgen. Mir wäre das nichts. Aber vielleicht sollte ich den Mittwochabends-Gottesdienst kennen lernen oder die vielen Kleingruppen, die sich wöchentlich treffen. Aber ich bin als Europäer auch nicht die Zielgruppe.
Und zwei Wochen später eröffneten eben diese Gemeinde auch eine Innenstadt-Gemeinde mit einem 2.500 Leute Gottesdienst in einem Opernhaus. Nicht schlecht für den ersten offiziellen Gottesdienst, oder? Jedenfalls gefiel es mir dort besser, die Lieder waren zum mitsingen gedacht und hatten mehr mit mir zu tun, ich konnte teilnehmen am Gottesdienst. Und die Predigt von Bill Hybels dort fand ich sehr ansprechend. Aber auch das war mir zu groß.

Nach längerem Suchen haben wir vor drei Wochen eine feine Gemeinde hier in der Nähe entdeckt, die kleiner (zwei mal zweihundert Leute Sonntags) und nicht so perfekt ist. In einer Turnhalle hier um die Ecke. Bunt gemischt und mit nicht nur englischen Liedern – angenehm vielfältig oder «diverse» wie der Amerikaner sagt.

Nochmal in voller Pracht das Opernhaus mit den 2.500:
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