to pig out [sl.] — sich vollstopfen [coll.]

Gerade geht das amerikanischste Feiertagswochenende des Jahres seinem Ende zu: Thanksgiving. Von allen sehnlichst erwartet scheint das Ganze Weihnachten toppen zu wollen. Grob umrissen: Paraden, Familie, kochen, sich vollstopfen, power-shoppen, entspannen? Auf einem Luncheon der Midwest Fulbright Association nahm eines der interessantesten Geschehnisse bisher seinen Anfang, in einem netten Gespräch. Unser Tischnachbar entpuppte sich als ein Englisch-Lehrer, der auf Fulbright-Lehrer-Austausch in Deutschland war und am Ende uns zu seiner Familie zu einem echten Thanksgiving Dinner einlud. Das war wirklich eine wunderbare Idee und wir waren überglücklich, mussten wir schon damit rechnen, das Ganze ohne direkten amerikanischen Beistand zu erleben.
Also bewaffneten wir uns in Polen (siehe Artikel) mit einer Feiertags-Rocher-Schachtel und einem selbstgedruckten Buch um die Gastfreundschaft angemessen aufzuschlagen. Uns erwartete ein Familienvater mit deutlicher Entertainer-Begabung (O-Ton: «I am a damn’ good cook!») und seine Ehefrau sowie Tochter. Noch im Auto erklärte er uns, dass das wahre Stichwort zu Thanksgiving to pig out heißt = sich vollstopfen! Nach freundlichem small talk begaben wir uns zu Tisch und staunten nicht schlecht: Wir nehmen alle unsere Vorurteile ggü. der amerikanischen Küche zurück! Das Essen war furios! Äußerst lecker! Und: 100% home made. Wann haben wir das jemals in Chicago erlebt? Ich habe mal eine Erklärung in die Bilder geschrieben, auf jeden Fall gibt es ebenso Riten und Gebräuche (jeder bringt ein geerbtes Geschirrteil mit) und eine sehr liebevolle Athmosphäre. Wir fühlten uns wie adoptiert und hatten einen wundervollen Abend mit klugen, interessanten Gesprächen und liebevollen Gastgebern. Mehr davon!! ;)
Die wahren Amerikaner begannen dann am nächsten Tag um 5 Uhr morgens den größten Shopping-Marathon des Jahres mit einer wahren Preisschlacht an Rabatten etc. Komische Kombination.

Familientisch mit Tochter, Mutter und Karin.

Das Festmahl konzentriert. Oben links Süßkartoffelmus mit Walnüssen und braunem Zucker im Schälchen; Ansonsten im Uhrzeigersinn: Fruchsalat in Gelee, Bohnen mit Mandeln, Cranberrie-Soße (gekühlt=fest), Truthahn (helles & dunkles Fleisch), Füllung (Brotstücke, Gewürze, Leber und Gemüse), Rosenkohl mit Speck, Kartoffelmus mit heller Soße.

Der Herr des Hauses bereitet den Truthahn zu. Die Familie dokumentierte extra für uns den Truthahn vor dem tranchieren, quasi als Souvenir.