Zwischendrin auch Basketball

Kurz vor Weihnachten besuchte uns ein Freund, den ich bei unserem Sponsortreffen in D kennen gelernt hatte und der auf dem Weihnachtsheimflug in Chicago 4 Tage Station machte. Mit Christopher zusammen habe ich dann noch einmal Chicago sehr genießen können und ein paar bislang aufgeschobene Entdeckungen gemacht. Z.B. zu einem Chicago Bulls Spiel gehen. Und das kam so: Tickets am Abend vorher spontan im Internet gekauft – glücklicherweise ein Topspiel gegen die Los Angeles Lakers –, nach einer Stippvisite in der «Massive Change» Ausstellung des Museum of Contemporary Art zum Stadion, rein in den Pulk vorm «United Center», willkommengeheißen von zwei live Jazzbands (J a z z !!!), ganz rauf hinter die letzte Reihe auf die sprichwörtlichen «billigen Plätze», und einfach nur genießen.
Die Halle wird dunkel, drei Soldaten mit Fahne marschieren ein, die ganze Halle erhebt sich. Dann ein einzelner Saxophonist, der die Hymne «jazzy» improvisiert. Dazu auf allen Displays wehende Fahnen. Gänsehautpatriotismus. Minutenlang. Gegen Ende lauter werdende Unterstützung, alles jubelt. Ach Du meine Güte, stell Dir das mal in Deutschland vor. Amerika halt.
Das Spiel war am Anfang unausgeglichen, als dann Kobe Bryant, der Star der Gäste, das Spiel verlassen musste, drehten die Gastgeber den Spieß um und gewannen in einer spannenden Aufholjagd. Aber das war eher nebenbei. Der scheinbar größere Enthusiasmus zeigte sich eindeutig in den Werbepause, und derer waren es bei 4 Vierteln und 8 Auszeiten genug. In diesen kamen neben den üblichen Cheerleaders auch obskurere Darstellung wie zwei chinesische Zirkusakrobatenzwillinge, die ungesund aussehende Verrenkungsspiele mit zwei Tonnen aufführten. Doch mein Highlight waren die «Chicago Bulls Swingin’ Seniors», eine Gruppe adretter Senioren jenseits der Pensionierung die zu einem Swinghit tanzten. Das nenn ich doch mal das Alter ehren! Doch die klassischen Werbemaßnahmen inkl. Kundenbindungsstrategien kamen ebenfalls reichlich zum Zuge, da man schon am Eingang mit zehn Coupons ausgestattet wurden wie «Sie bekommen einen kostenlosen BigMäc wenn die Bulls mit über 100 Punkten gewinnen» oder einen Becher Kaffee wenn die Kaffeetasse im Comic-Rennen gegen den Bagel und den Donut gewinnt … Nein, wirklich! Bei dieser Animation zeigten sich deutlich mehr Applaus und lautstarke Emotionen als bei jedem guten Spielzug. Nach Schlusspfiff noch zum obligatorischen Foto mit der Michael Jordanstatue und dann ab zum Bus, der uns in der Westside umsteigen ließ, was zu unfreiwilligen Sicherheitsbedürfnisbewusstseinsschüben führte, da wir einiger Gangposter gewahr wurden und ich an die warnenden Hinweise meines Mitbewohners dachte: «Tummel dich dort nicht des Nachts!». Im Nachhinein glaube ich macht man sich aber zu viele Gedanken, da man die Situation nachts als einziger «Weißer» in einem klar «Schwarzenviertel» auf der Straße angesprochen zu werden auch überinterpretieren kann. Oder auch nicht. Auf jeden Fall sind Segregationen und ethnische Unterschiede hier spürbar und Realität. So traurig und alt das auch klingt. Schließlich endeten wir in einer Nachbar Eckkneipe neben unserem Haus, wo wir mit zwei interessierten Gästen und dem Besitzer Dart und Billard spielten. Zu vorgerückter Stunde entpuppte sich der Besitzer als stolzer US Marines Corps Veteran mit Vietnam Erfahrung. Ob ich seine rauchige Stimme und körperlich sichtbaren Alkoholgenuss damit in Verbindung bringen darf? Auf jeden Fall hatten wir einen wundervollen Abend.

Massive Change Ausstellung, endlich auch in den USA

Das Spiel

Lila-gelb mit 24 Kobe Bryant.

Danach das Foto

Gangposter mit Kopfgeld